Evangelische Kirchengemeinde Zodel

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Glocke in Dienst genommen

Am 28. August 2005 erklang nach 60 Jahren erstmalig wieder die große Glocke in Zodel.

Es war mucksmäuschenstill in der übervollen Zodeler Kirche, als Superintendent Jan von Campenhausen nacheinander die einzelnen Glocken mit ihren Inschriften aufrief und eine nach der anderen ihr Geläut begann. „Ich hab ne richtige Gänsehaut“ flüsterte eine Besucherin ihrer Nachbarin zu. Die Spannung löste sich erst, als auch die dritte und größte Glocke nun zum ersten Mal anschlug.

60 Jahre mussten die Zodeler sich mit zwei Glocken zufrieden geben, nachdem während der letzten Kampfhandlungen 1945 die größte zerschossen worden war. Zwar gab es Bemühungen um Ersatz, die bisher aber nicht zum Erfolg geführt hatten. Nun hatte sich eine Gelegenheit ergeben: Die Berlin-Wilmersdorfer Gemeinde am Hohenzollernplatz beschaffte sich neue Bronzeglocken, und eine ihrer nun ausrangierten, 1948 in Bochum gegossen, passte zum Zodeler Geläut. Sie ist im November vorigen Jahres hierher gebracht worden, wurde inzwischen aufgearbeitet und dann am 16. August mit dem Autokran von der Straße aus durch die Schalluke in den Kirchturm gehoben.

Aus der feierlichen Indienstnahme am Sonntag, dem 28. August, hatten die Zodeler ein großes Fest gemacht. 21 Mitglieder aus der Partnergemeinde Wiefelstede waren angereist, mit denen einige gemeinsame Tage verbracht wurden mit Ausflügen und gemeinsamen Unternehmungen. Zum Gottesdienst dann war die Kirche so voll wie an Heiligabend. Viele Gäste waren gekommen – unter ihnen Landrat Bernd Lange und Bürgermeister Dr. Walther. „Es hat mich gerührt, die Glocke wieder zu hören“, sagte ein Vertreter der Berlin-Wilmersdorfer Gemeinde in seinem Grußwort. Er habe ihren Klang sofort wiedererkannt.

Auch aus dem benachbarten Piensk (Penzig) von jenseits der Grenze war eine Delegation gekommen. „Wir hören den Klang der Zodeler Glocken über die Neiße“ sagte der stellvertretende Bürgermeister und erinnerte an die zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten der polnischen katholischen und der deutschen evangelischen Kirchengemeinde. Der große Chor der Gemeinde Crostwitz bei Bautzen verlieh mit seinem Gesang, teils in deutsch, teils in sorbisch, dem Gottesdienst noch eine festliche Steigerung. In der Predigt sprach Pfarrer Ludwig Mantei über die Aufschrift der neuen Glocke: „Gott ist unsere Zuversicht“.

Nun ist die dritte Generation der Zodeler Glocken wieder komplett, wie Gemeindekirchenratsmitglied Manfred Goldberg erläuterte. 1886 musste das erste Geläut wegen Schäden erneuert werden, doch bereits 1917 wurde es für Kriegszwecke wieder abgebaut. 1921 beschaffte man sich dann neue Glocken, gegossen in Bochum. Die jetzt neu hinzugekommene wiegt 1080 Kilogramm und hat einen Durchmesser von fast 1,40 Meter.

Margit Mantei


Die Ankunft der Glocke